Beim diesjährigen öffentlichen Waldbegang der Stadt Hadamar informierten sich die teilnehmenden Stadtverordneten im Steinbacher Wald über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der heimischen Forstwirtschaft. Begleitet wurde die Begehung von Revierleiter Kay Ungeheuer und Betriebsassistent Keno Schäfer vom Forstservice Taunus.
Ein zentrales Thema war das sogenannte Eschentriebsterben, das inzwischen rund 99 Prozent der Eschen in Deutschland betrifft. Verursacht wird die Krankheit durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stängelbecherchen“. Die Folge ist das Absterben der betroffenen Bäume. Im Stadtwald liegt der Anteil der Eschen zwar nur bei sieben bis acht Prozent, dennoch seien nahezu alle Bäume betroffen. „Daher wird die Esche langfristig wegfallen“, erklärte Revierleiter Kay Ungeheuer.
Trotz dieser Entwicklung gibt es Hoffnung für den Wald der Zukunft. Eine wichtige Rolle spielt dabei die natürliche Verjüngung – also die Erneuerung des Waldes durch Samenflug. Ergänzend bereitet der Forstservice gezielt Flächen auf und pflanzt neue Bäume. Zuletzt wurden in Handarbeit 1.500 Douglasien und Lärchen gesetzt. Dabei zeigt sich jedoch, wie anspruchsvoll die Waldentwicklung ist: Von rund 200.000 keimenden Pflanzen setzen sich langfristig nur etwa 200 durch. Die Zusammensetzung des Waldes mit Buchen, Fichten, Eichen und Eschen wird regelmäßig im Rahmen der Waldinventur erfasst. Diese findet alle zehn Jahre statt, die nächste Bestandsaufnahme ist für das Jahr 2028 vorgesehen.
Weitere Informationen erhielten die Teilnehmenden über das Wachstum verschiedener Baumarten. So wachsen Buchen ab einem Alter von etwa 100 bis 120 Jahren nur noch sehr langsam, bei Eichen tritt dieser Effekt etwa ab 180 Jahren ein. Da es sich bei den heimischen Wäldern um bewirtschaftete Forstanlagen und nicht um Urwald handelt, wird der Stadtwald gezielt gepflegt und genutzt.
Die Stadtverordnetenversammlung hat sich dabei klar für eine nachhaltige Bewirtschaftung mit dem Schwerpunkt Erholung ausgesprochen. Es soll nur so viel Holz verkauft werden, wie durch Neupflanzungen und natürliche Verjüngung nachwächst. Im kommenden Jahr wird überprüft, ob dieses Ziel fortgeführt oder angepasst werden soll.
Auch die Waldwege waren Thema des Waldbegangs. Diese befinden sich in unterschiedlichen Besitzverhältnissen. So gibt es auch Wege die dem Land Hessen gehören und für dessen Unterhaltung das Land zuständig ist. Die Wege, die sich im Verantwortungsbereich der Stadt befinden, werden laut Bürgermeister Michael Ruoff regelmäßig in einen besseren Zustand gebracht. Allerdings erst dann, wenn in den entsprechenden Bereichen die Holzabfuhr abgeschlossen ist. Besonderes Augenmerk liege darauf, Regenwasser kontrolliert über Gräben abzuleiten und zukünftig mehr in Mulden zu sammeln, damit es im Wald bleibt.
Abschließend betonten die Teilnehmenden die gemeinsame Zielsetzung aller Fraktionen: „Wir werden den Schutz der Artenvielfalt und der Vitalität des Waldes in den Vordergrund stellen. Da sind wir uns bisher interfraktionell einig.“